Ein persönliches Dankeschön!

Neuhausen

Lieber Wolfram,

lange habe ich darüber nachgedacht, wie wir dir noch einmal einen Dank aussprechen können. Letztlich habe ich mich für diesen offenen persönlichen Brief entschieden, denn ich möchte, dass viele Menschen es lesen und um dein Engagement in den vergangenen 16 Jahren wissen.

2005 gründete sich der Förderverein „Altes Pfarrhaus Groß Döbbern“ e. V. und du warst von Anfang an dabei. Die Wurzeln des Vereins liegen jedoch in der Kirchenmauer begründet. Ursprünglich wollten ein paar Männer die Ärmel hochkrempeln und die Kirchenmauer in Eigeninitiativ ausbessern. Sogar Feldsteine wurden schon angeliefert. Doch aus denkmalschutzrechtlichen Gründen wurde diese Aktion leider gestoppt. Ärgerlich für alle. Der Elan war jedoch so groß, dass am Ende statt einer Kirchenmauer ein großes Gebäude in den Fokus der Engagierten rückte: Das Pfarrhaus aus dem Jahr 1785 war nur noch ein Schatten seiner selbst und bei den ersten Begehungen hatten alle Angst, nicht mehr lebendig heraus zu kommen. Alles war einsturzgefährdet bzw. schon teilweise eingestürzt. Bäume wuchsen aus dem Dach, Decken waren eingebrochen. Dennoch habt ihr in dem alten Kasten Potenzial gesehen und auch dank anfangs intensiver Begleitung von Frau Schneider und Herrn von Scheven begonnen.

„Am Anfang hatten wir gar nichts“, meintest du letztens bei der Übergabe der Akten zu mir. Ich erwiderte lachend: „Doch, ihr hattet Euch und Eure Energie“. Und genau das kann man nicht kaufen und auch nicht ersetzen. Alles, was jetzt bereits saniert und geworden ist, ist dank Eures ehrenamtlichen Einsatzes, euren Ideen, der langen Puste und der Bereitschaft Anzupacken geworden. Viele im Dorf haben gelacht und ich bin mir nicht einmal sicher, ob ich nicht auch geschmunzelt hätte bei dem katastrophalen Zustand von Pfarrhaus und Gelände anno dazumal.

Es wurde weitaus mehr geschaffen als ein Gebäude, was die Phase der Notsicherung mittlerweile hinter sich gelassen hat und ein Gelände, was von spielenden Kindern, Besuchern und Einwohnern fast täglich genutzt wird: Es ist Identität!

Bei den Arbeiten kamen sehr viele Fakten zu Tage, die niemand mehr auf dem Radar hatte. Letztendlich hat eine Architekturstudentin ihre Bachelorarbeit dem Pfarrhaus gewidmet und sich nach eigenen Aussagen monatelang in Archiven verkrochen, um zu sortieren und zusammenzufügen. Und voilá: Die Entdeckungen zur Historie und den immer noch vorhandenen Spuren im Dorf zur Familie von Pückler sind sehr kostbar, denn sie erzählen eine individuelle Geschichte und sie haben das Potenzial, um sie weiter zu gestalten. Mittlerweile sind wir Pücklerdorf, was manchen wahrscheinlich schon aus den Ohren raushängt, aber ich finde es einen großen Schatz. Wir haben das Glück, dass nicht alles während der letzten Jahrhunderte platt gemacht wurde und mit kargen Bauten zugeballert wurde. Wir haben stattdessen eine große Dorfmitte mit unheimlich viel Platz und Grün und damit auch einen lebendigen Treffpunkt, den immer mehr Menschen nutzen und für sich entdecken. Mittlerweile klingeln auch wildfremde Menschen bei uns und bekommen dann eine persönliche Führung durch Pfarrhaus und Kirche. Sie sind anschließend begeistert und gerade jetzt im Sommer hat der Ort etwas von Büllerbü von Astrid Lindgren. Und es ist wirklich Wahnsinn, was in den letzten Jahren passiert ist: Die Außenanlagen haben sich komplett gewandelt: Ein Pavillon mit Sitz- und Grillecke ist entstanden, der Bouleplatz wird in Kürze eröffnet, ein Spielplatz lädt seit letztem Jahr die Kinder zum Spielen ein, Blühstreifen versuchen sich gegen die Wiese durchzusetzen und wenn man eine Weile auf der Pfarrhauswiese sitzt, trifft man immer jemanden, der sich dazu gesellt. Auch die Bibo darf nicht vergessen werden, die seit Jahren ehrenamtlich betreut wird und einmal im Monat ihre Pforten für die treuen Leser öffnet. Du bist dann immer ganz bescheiden und verweist bei diesen Ergebnissen auf andere, aber so einfach ist das nicht. Es ist auch dein Werk, denn du hast als Vereinsvorsitzender auch alle Verantwortungen mitgetragen und auch das Risiko dafür übernommen.

Sicherlich wird immer wieder hier und dort kritisiert, aber das gehört dazu und konstruktive Kritik ist auch erwünscht, denn sonst bleiben wir stecken. Aber wenn ich mir vorstelle, dass es diese Fläche nicht gäbe, würden wahrscheinlich viele Menschen, die sich jetzt als gute Nachbarn kennen und auch generationenübergreifend miteinander „schnacken“ nicht kennen. Es wäre vieles anonymer und es wäre z. B. auch nicht klar, ob und wo wir überhaupt einen Weihnachtsmarkt durchführen könnten.

Von daher sind es sehr große Fußstapfen, in die ich da als deine Nachfolgerin trete und ich danke dir für das Vertrauen, welches ihr mir entgegenbringt.

Ich habe in den letzten Wochen viel über das Ehrenamt nachgedacht. Es kostet zwar sehr viel Kraft, gibt aber auch sehr viel zurück und es ist eine große Chance aktiv mit zu gestalten und Ideen umzusetzen. Gleichzeitig birgt es natürlich viel Konfliktpotenzial, denn es treffen dort verschiedene Menschen aufeinander, die dies alles freiwillig und ohne Bezahlung oder vertragliche Bindungen erledigen. Dann bei Konflikten durchzuhalten, sich durchzubeißen und nicht die Flinte ins Korn zu schmeißen ist eine sehr hohe Kunst. Da muss man schon für die Sache brennen. Von daher an dieser Stelle ein großes Chapeau auch für 16 Jahre Kapitän auf manchmal rauer See!

Wir sind eine kunterbunte Truppe – mittlerweile auch wieder mit jungen Menschen, die tatkräftig anpacken können - und damit sind wir auch den Generationenwechsel angegangen. Mich fasziniert auch die Hilfsbereitschaft der Menschen über die Vereinsgrenzen hinweg. Das ist wirklich beeindruckend, denn damit habe ich auch mehr Gewissheit, dass wir Dinge stemmen können, selbst wenn von den aktiven Vereinsmitgliedern nicht immer alle greifbar sind. Wir diskutieren viel und sicherlich knirscht und knackt es auch im Gebälk. Aber das gehört dazu. Bei einem Verein ist es manchmal wie bei einer Familie, da gibt’s ja auch nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen. Ich denke, da hilft immer wieder nur das Gespräch, zwischendurch das Durchatmen und ganz viel Humor.

Lieber Wolfram, all diese Entwicklungen, die wir im Verein und im Dorf machen, basieren zu einem Großteil auf deiner und Eurer Arbeit im Verein. Ihr habt die Grundsteine gelegt und das wertvolle Erbe des Pfarrhauses vereint wieder sichtbar gemacht. Ihr habt Diskussionen angestoßen und zugelassen. Dafür möchte ich dir und den anderen „Ur-Mitgliedern“ meinen größten Respekt und ein herzliches Dankeschön ausrichten.

Jetzt starten wir mit neuen Ideen und Projekten durch und wenn alles gut geht, wird das Pfarrhaus bereits zum Jahreswechsel eine ganz neue Ansicht bekommen und im neuen Glanz erstrahlen. Dann heißt es als Nächstes die große Nuss des Nutzungskonzeptes zu knacken und langfristig das Haus mit Leben zu füllen. Wir sind auf einem guten Weg, also packen wir es weiter an!

PS: Unser Pücklerdorf macht in diesem Jahr beim Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft!“ mit. Ich bin mir sicher, dass wir neben Sportverein, FFw, Töpferdamen und anderen Initiativen mit dem Pfarrhausverein ein riesiges Pfund haben, welches wir in die Waagschale werfen können.

Ganz liebe Grüße!

Steffi

Vorsitzende des Fördervereins „Alts Pfarrhaus Groß Döbbern“ e.V.

www.gross-doebbern.de

Zur Person:

Wolfram Betker

geb. in Groß Döbbern

lebt in Komptendorf

von 2015-2021 Vorsitzender des Vereins "Altes Pfarrhaus Groß Döbbern" e.V.

Artikel veröffentlicht am 31.07.2021 von Mitteilungsblatt | Amtsblatt für die Gemeinde Neuhausen/Spree 7 / 2021